UREHERIT: Architektur, Kulturerbe und Wiederaufbau in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine verursacht menschliches Leid und hinterlässt zugleich massive Schäden an Städten, ihren Gebäuden und dem kulturellem Erbe. Der Wiederaufbau ist daher nicht nur eine essenzielle technische und architektonische Aufgabe, sondern auch eine Frage der Identität und der Zukunft der Ukraine. 

Hier setzt das europäisch-ukrainische Projekt “UREHERIT – Architects for Heritage in Ukraine. Recreating Identity and Memory” an. Das dreijährige Projekt wurde von der Europäischen Union kofinanziert und bringt Architekt:innen, Expert:innen für Kulturerbe, Wissenschaftler:innen, lokale Behörden und zivilgesellschaftliche Akteur:innen aus der Ukraine und Europa zusammen. Ziel ist es, kulturelles Erbe als wesentlichen Bestandteil eines demokratischen, nachhaltigen und qualitätsvollen Wiederaufbaus zu stärken.

Die Bundeskammer der Ziviltechniker:innen ist eine von elf Partnerorganisationen des internationalen Konsortiums. Als Interessenvertretung der Architekt:innen und Zivilingenieur:innen in Österreich bringt sie ihre langjährige Erfahrung und Expertise insbesondere in den Bereichen Architekturwettbewerbe, Qualitätssicherung und baukulturelle Prozesse in die europäisch-ukrainische Zusammenarbeit ein.

Das internationale Konsortium besteht aus den folgenden elf Organisationen:

  • Architects Association of Lithuania (LT)
  • Architects Sweden (SE)
  • Bundeskammer der Ziviltechniker:innen (BKZT) (AT)
  • Royal Danish Academy, The Institute of Technology and Architecture (IBT) (DK)
  • Romanian Order of Architects (OAR) (RO)
  • National Council of Architects, Planners, Landscapers and Conservationists (CNAPPC) (IT)
  • Federal Chamber of German Architects (BAK) (DE)
  • Estonian Association of Architects (EE)
  • National Union of Architects of Ukraine (UA)
  • Ro3kvit: Urban Coalition for Ukraine (UA)
  • Kharkiv School of Architecture (UA)

Der Architects’ Council of Europe (ACE) ist als assoziierter Partner ebenfalls am Projekt beteiligt.

Qualität durch faire und offene Verfahren

Eine zentrale Frage des Wiederaufbaus lautet: Wie können die besten Lösungen für die Zukunft ukrainischer Städte und ihrer historischen Orte gefunden werden?

Architekturwettbewerbe können hierfür einen wichtigen Beitrag leisten, denn sie ermöglichen es, unterschiedliche Ideen und Entwurfsansätze miteinander zu vergleichen und fördern Innovation. Außerdem schaffen sie transparente Rahmenbedingungen für hochwertige Planungsentscheidungen.

Gemeinsam mit ukrainischen Partnerorganisationen und europäischen Fachleuten engagierte sich die BKZT daher im Rahmen von UREHERIT für den Wissenstransfer zu Architekturwettbewerben im Kontext des Kulturerbes. Ein konkretes Beispiel war der internationale Workshop „How to organise an international architectural design competition for a historical and cultural heritage site or monument in Ukraine“ im Juni 2025. Die Veranstaltung wurde von der ukrainischen Architektenunion, der österreichischen Bundeskammer sowie der deutschen Architektenkammer organisiert. Daniel Fügenschuh, Präsident der BKZT und des ACE, nahm gemeinsam mit Anna Bondar, Špela Kryžanowski und Reto Gmür an einem moderierten Expertengespräch zu den Praxisbeispielen teil. Die Durchführung des Events fand gemeinsam mit dem Architects’ Council of Europe und dem Projekt ARCH-E statt. Dabei wurden internationale Best-Practice-Beispiele vorgestellt und Erfahrungen zur Durchführung von Architekturwettbewerben für historische und kulturelle Stätten diskutiert.

Auch die Verbindung mit dem europäischen Projekt ARCH-E ist dabei von Bedeutung. Die Bundeskammer ist ebenfalls Partnerin dieses Projekts, das sich für einen besseren Zugang zu europäischen Architekturwettbewerben und deren Qualität einsetzt.

Europäische Zusammenarbeit für den Wiederaufbau

UREHERIT versteht Wiederaufbau nicht als bloße Wiederherstellung des baulichen Bestands. Vielmehr geht es darum, die Geschichte und Identität von Orten zu bewahren und gleichzeitig Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.

Im Mittelpunkt stehen deshalb unter anderem die Erfassung und Bewertung von Kulturerbe und Kriegsschäden in der Ukraine, partizipative Planungsprozesse, neue Ansätze für Schutz und Rekonstruktion sowie der Austausch von Wissen zwischen ukrainischen und europäischen Fachleuten. Über die gesamte Projektlaufzeit hinweg bildeten internationale Konferenzen und Workshops eine bedeutende Plattform für diesen Austausch und für die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven auf den Wiederaufbau.

Für die BKZT bedeutet die Beteiligung an UREHERIT, fachliche Verantwortung über nationale Grenzen hinweg wahrzunehmen und die Erfahrungen des österreichischen Berufsstands in einen europäischen Wiederaufbauprozess einzubringen. Gleichzeitig schafft die Zusammenarbeit die Möglichkeit, von den Erfahrungen und Perspektiven ukrainischer Fachkolleg:innen zu lernen.

Architektur als Beitrag zu einer europäischen Zukunft

Der Wiederaufbau der Ukraine wird langfristig gesehen eine Generationenaufgabe sein. Er bietet zugleich die Chance, aus den Erfahrungen der Gegenwart zu lernen und Städte und Regionen resilienter, nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten.

Die BKZT sieht die internationale Zusammenarbeit als wichtigen Beitrag. Qualität in der Planung, transparente Wettbewerbsverfahren, der respektvolle Umgang mit dem kulturellen Erbe und die Einbindung der Menschen vor Ort sind wesentliche Voraussetzungen für einen Wiederaufbau, der nicht nur Gebäude errichtet, sondern die Zukunft der Ukraine neu gestaltet.

Mit der Beteiligung an UREHERIT leistet die Bundeskammer einen wesentlichen Beitrag zu diesem Prozess - gemeinsam mit den ukrainischen und europäischen Partnerorganisationen und mit dem Ziel, Architektur und Baukultur als wichtige Bausteine einer demokratischen und nachhaltigen Zukunft der Ukraine zu stärken.

UREHERIT: Architects for Heritage in Ukraine. Recreating Identity and Memory

Ein von der Europäischen Union kofinanziertes Projekt im Rahmen von Creative Europe.