Netzwerktreffen der Gestaltungsbeiräte

Drittes Netzwerktreffen der Gestaltungsbeiräte Österreichs:
„Kompetente Beratung. Starke Orte! Wie werden Fachbeiräte (wieder) wirksam?“ 

12.06.2026
Gestaltungsbeiräte, mancherorts auch Fachbeiräte genannt, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung und städtebaulichen Qualität bei der Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden in Österreich. Sie agieren als unabhängige Sach- und Fachverständige im Interesse der Gesellschaft. In Zeiten von budgetären Engpässen werden sie in letzter Zeit vermehrt als „lästige Hürde“ gesehen. Die Diskussion beschäftigte sich mit der Frage ihrer Rolle, des Nutzens im Planungs- und Bauprozess, ihrer Bestellung und nicht zuletzt um die Finanzierung von Gestaltungsbeiräten. Durch das Vernetzungstreffen stellte die Bundessektion Architekt:innen der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen einen Rahmen für Vernetzung und Erfahrungsaustausch zwischen Gestaltungsbeiräten und Stakeholdern her, die eine wichtige Rolle in der kritischen Bewertung, Verbreitung und Umsetzung der Ergebnisse des Interreg Alpine Space Projektes BrokeringSpaces spielen.

Ziel war es, gemeinsam tragfähige Lösungsansätze für bestehende Herausforderungen zu entwickeln und Fachbeiräte wieder stärker in ihrer beratenden Funktion sowie als Instrument der Qualitätssicherung zu verankern und dabei - basierend auf den bisherigen BrokeringSpaces Ergebnissen - die Bedeutung der Themen Flächenverbrauch und integrierte Entwicklung für die Arbeit der Gestaltungsbeiräte besonders hervorzuheben.

Gestaltungsbeiräte in Österreich – Ursprung und Vernetzung

Die Idee der Gestaltungsbeiräte entstand in Salzburg. Der damalige Stadtrat und Stadtplaner Johannes Voggenhuber entwickelte das Instrument in den 1980er-Jahren, um mehr Qualität und Unabhängigkeit in der Bauplanung zu sichern und der starken Einflussnahme von Grundstücksinteressen entgegenzuwirken. 1993 wurde der Gestaltungsbeirat im Salzburger Raumordnungsgesetz rechtlich verankert und entwickelte sich in weiterer Folge zum Vorbild für ähnliche Modelle in anderen Bundesländern.

Die Reihe der Netzwerktreffen besteht seit mehreren Jahren. Zur besseren Zusammenarbeit und Vernetzung der Gestaltungsbeiräte initiierte Daniel Fügenschuh im Jahr 2018 das erste österreichweite Treffen mit dem Ziel sich auszutauschen, gemeinsame Zielsetzungen zu finden, die Bedingungen für die Arbeit zu verbessern und auch ein besseres Bewusstsein für den Stellenwert der Gestaltungsbeiräte zur Baukultur in Österreich zu schaffen. Die Auftaktveranstaltung fand in Innsbruck statt und diente dem Austausch sowie der erstmaligen Erhebung von Strukturen, Besetzungen und Arbeitsweisen der Gestaltungsbeiräte in Österreich.

Nach dem ersten erfolgreichen Vernetzungstreffen der Gestaltungsbeiräte 2018 in Innsbruck wurde das Format im darauffolgenden Jahr fortgeführt. Das zweite Treffen bestand aus zwei Veranstaltungen, die sich thematisch mit der österreichischen Seenlandschaft beschäftigten.

Das dritte Netzwerktreffen wurde von Arch. DI Katharina Fröch, Vorsitzende der Bundessektion Architekt:innen, in Zusammenarbeit mit weiteren Funktionär:innen organisiert. Nach der Begrüßung durch Katharina Fröch sowie Bundeskammerpräsident Daniel Fügenschuh (per Video) wurden im ersten Programmpunkt die derzeitige Situation sowie zentrale Problemstellungen analysiert. Vertreter:innen aus Stadtplanung, Verwaltung und Fachbeiräten beleuchteten dabei unterschiedliche Perspektiven und Herausforderungen in der praktischen Arbeit von Gestaltungsbeiräten.

Im Anschluss gaben Expert:innen aus Stadtplanung, Wissenschaft, Verwaltung, Immobilienwirtschaft und Projektentwicklung in Interviews und Impulsvorträgen Einblicke in ihre Erfahrungen mit Fachbeiräten. Diskutiert wurden deren Nutzen für die Qualitätssicherung, ihre Bedeutung für transparente Entscheidungsprozesse sowie Fragen der Organisation und Finanzierung.

Eine Podiumsdiskussion widmete sich den Potenzialen und erforderlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Arbeit von Gestaltungs- und Fachbeiräten. Dabei wurde deutlich, dass unabhängige fachliche Beratung einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Städten und Gemeinden leistet und entsprechende Strukturen langfristig abgesichert werden sollten.

Am Nachmittag stand die Vernetzung der Teilnehmer:innen im Mittelpunkt. Nach der gemeinsamen Festlegung der Arbeitsschwerpunkte wurden in Workshops konkrete Lösungsansätze zu mehreren zentralen Themenfeldern erarbeitet. Insgesamt wurden sechs Workshoprunden zu jeweils einer Themenstellung abgehalten. Die Diskussionen reichten von Fragen der Bestellung und Zusammensetzung von Beiräten über ihre Einbindung in Planungsprozesse bis hin zu Modellen der Finanzierung und Kommunikation. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Paper zusammengefasst.

Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden anschließend im Plenum präsentiert und gemeinsam mit Vertreter:innen aus Ministerien, Gemeinden, Wohnbau und weiteren Fachbereichen diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens über die Bedeutung von Gestaltungs- und Fachbeiräten als Instrumente der Qualitätssicherung und als unabhängige Beratungsorgane im öffentlichen Interesse.

Das Netzwerktreffen fand im Rahmen des Projektes BrokeringSpaces statt, das sich mit der Förderung einer nachhaltigen und flächenschonenden Baukultur in der Alpenregion befasst.